FAQ - Häufig gestellte Fragen zur Atemtherapie
Was ist Atemtherapie?
Das Wissen über die Heilkraft des Atems ist sehr
alt. Es wurde von Pionieren wie den Arzt Ludwig Schmitt, Cornelius Veening,
Ilse Middendorf, Klara Wolf und Volkmar Glaser weiterentwickelt. Neue
wissenschaftliche Erkenntnisse aus Medizin, Psychologie und Pädagogik
sind laufend dazugekommen. Bei allen ist der ganzheitliche Aspekt des
Atems im Vordergrund. Atem ist immer ein körperliches Geschehen, das
Seelisches ausdrückt.
Muss man atmen erst lernen?
Atmen passiert im Unbewussten, ob man daran denkt
oder nicht. Eint tiefer, kräftiger
Atem ist Grundvoraussetzung für gesundes Leben. Man kann diesen Atemfluss sehr
unterstützen. Dazu braucht es einen Körper der beweglich und durchlässig für
die Atembewegung ist. Arbeit am Atem ist also immer Arbeit an der Haltung und
an der Muskelspannung. Blockaden im Körper, grosse Überspannungen und / oder
Unterspannungen hemmen den natürlichen Atemfluss. Zugleich ist es aber auch Arbeit
am Empfindungsbewusstsein.
Wie kann man das verstehen?
Die Atemlehre nach Prof. Ilse Middendorf baut auf
dem Wahrnehmen und Empfinden der Atembewegung im Körper auf. Der Körper ist der
Speicher aller bisher im Leben erlebten Emotionen, der Atem ist lebendiger Ausdruck
davon. Durch das bewusste Wahrnehmen und Zulassen des Atems hat man direkten
Zugang zum Unbewussten. Zugleich verbindet uns der Atem direkt mit der Umwelt.
Der Atem zeigt sehr deutlich, wie der innere Organismus aufgrund gemachter Erfahrungen
auf äusseren Situationen
reagiert. z.B. Wenn der Atem plötzlich stockt oder rast, hat das höchstwahrscheinlich
mit einem im unbewussten liegenden Thema zu tun. Aber genau so, wird ihr Atem
automatisch tiefer, wenn sie sich wohl fühlen.
Ist Atemtherapie nur für Atemwegserkrankungen
gut?
Die Verbesserung der Atmung ist das Ziel der Atemtherapie. Es werden Atemfehlformen
wie Asthma und Hyperventilation auch behandelt, aber nicht nur. Zuerst
gilt es einmal sich bewusst zu werden, wie gross die Lungen sind, sie füllen ja zusammen
mit dem Herzen den ganzen Brustraum aus. Nur ein kleiner Teil wird durch einen
unbewussten Atemvorgang belüftet. Durch die Körperbewegungen mit dem Atem erreicht
man auch die rückwärtigen, oberen, seitlichen und unteren Teile der Lungen.
Mehr Atemraum zur Verfügung haben, heisst besser leben zu können.
Was wird sonst
noch behandelt?
Schmerzen, Stress, sowie häufige negative Gefühle wie Angst, Ärger,
Wut, Trauer, Ekel verändern den Atem in seinem Rhythmus negativ. Körperliche
und seelische Symptome sind oft die Folge. Durch die Atemarbeit soll der Atem
bewusst wahrgenommen werden und sich dadurch verändern können. Der Mensch soll
seinen eigenen ursprünglichen
Rhythmus wieder finden. Dadurch hat der Klient die Chance ursächlich und nachhaltig
an seinen Symptomen zu arbeiten.
Welche Arbeitsformen gibt es?
Es gibt 2 Formen: die Einzelbehandlung und der Gruppenunterricht.
Bei der Einzelbehandlung
Diese Arbeitsweise orientiert sich an der Befindlichkeit
und am Atemrhythmus jedes Einzelnen. Mit massageähnlichen Griffen und Bewegungen,
Druck auf verschiedene Punkte wird der Atemfluss gefördert. Spannungen und Blockaden
lassen die Atembewegung nicht durch und weisen eine veränderte Empfindung auf.
Manchmal können sich die
Menschen dort nicht mehr spüren, oder sie haben einen Druck z.B. im Rücken oder
in der Brust, im Hals oder Spannungsschmerzen im Kopf. Diese Spannungen können
sich lösen, wenn der zugelassene Atem sie erreicht. Die einzelnen Atemkräfte
müssen manchmal erst geweckt werden, sie sind in jedem Menschen vorhanden.
Der
Gruppenunterricht gestaltet sich anders.
Es gibt eine ganze Menge von Atemübungen,
die alle sehr wohltuend sind. Der Mensch lernt dabei mit seinem Atem umzugehen,
sein Mass und seine Grenzen kennen. Den Körper bewusst spüren und den Atem fliessen
lassen ist auch hier das Ziel. Er gewinnt an Körperempfindung und kann sich jederzeit
im Alltag dank einer Übung besser fühlen.
Wie funktioniert die Entspannung mit
Atemtherapie?
Das Ziel der Atemtherapie ist die Wohlspannung. Der Vorteil ist,
dass man diese Übungen überall
machen kann und sich eine sofortige Wirkung zeigt. Man bedenke nur, dass der
Mensch 70 % über seinen Körper durch die Haltung und die Stimme kommuniziert.
Die Arbeitsweisen hängen vom einzelnen Menschen ab.
Atem ist ein mechanischer und ein chemischer Vorgang, der zugleich den Spannungszustand
im gesamten Organismus reguliert. Ein zu schneller Atem erhöht die Spannung im
Körper, Säure wird nicht genügend ausgeatmet und bleibt im Organismus. Für diesen
Menschen wichtig zu lernen ist das Loslassen im Atem. Bei einer Unterspannung
ist zu wenig Atemkraft vorhanden. Der Mensch ist dann eher unterspannt, müde
und lustlos, die Stimme dünn und kraftlos. Hier sind Übungen mit Atemzentrierung
und Widerstand angezeigt.
Was versteht man unter Atem als Persönlichkeitsentwicklung?
Zuerst muss man wissen
wer man ist, bevor man etwas verändern kann. Mit der Arbeit
am Atem kann der Mensch sich selber erfahren, auch in Bezug zur Umwelt. Das emotionale
Körpergedächtnis ist immer aktiv, es teilt sich immer mit. Sowohl der Atem als
auch die emotionalen Prägungen gehen weit in die Kindheit zurück. Sie liegen
oft im Unbewussten, aber im Körper sind sie blitzschnell abrufbereit. z. b. persönliche
Beziehung zu Nähe und Distanz, Abgrenzung und Anpassung, Vertrauen oder Angst,
Widerstand und Druck. Alte, eigene Verhaltensweisen werden bewusst und können
wahrgenommen und dadurch verändert werden. Mit der Erhöhung der Empfindung und
Wahrnehmung gewinnt man ein Mehr an Selbst- und Sozialkompetenz.
Das Logo: atmen,
wahrnehmen, wohlsein.
Atmen: als wichtiger körperlicher Vorgang. Wir haben soviel
Lebenskraft wie augenblicklich Atemkraft vorhanden ist. Luft
ist immer genügend
da, das Atmen liegt in der eigenen Verantwortung.
Wahrnehmen: als höchster, geistiger Vorgang des Menschen. Das bewusste Wahrnehmen
und Zulassen des Atems führt von selber zu einer Vertiefung
und Verbesserung der Atmung.
Wohlsein: als seelische Qualität. Sich lebendig spüren im Atem, das heisst auch
im Gleichgewicht sein von Körper, Seele und Geist.+ |